Wenn das Wetter nicht will.

Die zehn Meilen zwischen Patmos und Lipsi liegen im Lee von Ikaria. Der Wind blies hier nur mit angenehmen fünf Windstärken. Am Tag unseres Auslaufens hatte der Wind, zu unserer Freude, auf Nord gedreht, so konnten wir Gricou auf Patmos direkt anliegen.

Lipsi-Patmos-Arki

. Datum: 01.06.2011  Stanhdort: Patmos, Ormos Gricou.
. Logge: 9016 sm
. Wetter: N 6
. Pos.: 37°18‘08“ N, 26°33‘41“ N

Nach zwei Stunden schöner Rausche- Fahrt fiel unser Anker in Gricou, direkt vor dem Strand und einem neu errichteten Hotel. Der Ankerplatz war nicht nur schön, sondern auch praktisch, denn der W-lan Hot Spot des Hotels reichte bis auf unser Boot. Wir konnten den Wetterbericht per Internet an Bord aufnehmen. Internet ist wesentlich bequemer und preiswerter als der DWD Seewis Report über Handy und feiner aufgelöst als die Grib Dateien, die ich, wenn kein Internet oder Handy Netz verfügbar ist, über Kurzwelle und Pactor empfange.
Gricou ist eine sehr gut geschützte Bucht auf der Ostseite von Patmos und bietet außer einem Bojen Feld (Achtung Privat Bojen), schöne Ankerplätze am nördlichen Ende der Bucht.

Porto Augusto by Google

Porto Augusto by Google

In Gricou ging das Warten weiter. Starkwind bis Sturm aus Nordwest. Geduld ist die erste Tugend des Seemannes, also fassten wir uns auch in dieser.
Nach drei Tagens des Wartens verloren wir die Geduld. Wir beschlossen uns nach Arki zu verlegen.

• Datum: 04.06.2011  Standort: Insel Arki, Porto Augusta.• Logge: 9029 sm
• Wetter: NW 4-5
• Pos: 37°22‘53“ N, 26°44‘09“ O

Am frühen Morgen, bei 4-5 Windstärken aus Nordwest, lief die Dream aus der Bucht von Gricou um Kurs Nordost, Richtung Arki, zu nehmen. Der Wind passte bei diesem Kurs natürlich hervorragend. Bei Halbwind pflügte die Lady mit beachtlichen 7 Knoten durchs Wasser. Das war segeln wie wir es lieben.
Nach ca. 3 Stunden herrlichen Segelns bargen wir vor Porto Augusto unsere Segel und liefen unter Motor in die Hafenbucht. Bei engen Einfahrten bevorzugt unsere Zweimann-crew diese Art des Manövers.
Am Betonpier waren viele hilfreiche Hände, die die Leinen nahmen und beim Anlegen halfen. Da das Dinghi der Dream am Heck, in Davids gefahren wird, sind wir beim römisch katholischen Anlegen für Hilfe immer sehr dankbar.

Noch sind ein paar Platze frei

Unser Boot war das dritte am Kai, doch nach kurzer Zeit waren alle 10 Liegeplätze belegt. Der Platz ist auf dieser kleinen Insel halt knapp und für freies Ankern ist die Hafenbucht ob des starken Seegrasbewuchses nur bedingt geeignet.
Arki ist eine sehr kleine Insel. Es leben nur rund 60 Einwohner hier, meist vom Fischfang. Mittlerweile hat sich aber auch etwas Tourismus entwickelt.
Bei den Yachties hat sich Arki allerdings als Geheimtipp etabliert und wird entsprechend oft angelaufen.
Vom Steg aus gelangt man auf einen schön angelegten, blumengeschmückten Platz. Von Insidern Europaplatz genannt, weil er mit EU Geldern finanziert wurde. Weshalb weiß niemand so recht. Aber er ist da und schön, so macht die Investition wenigstens der Schönheit willen Sinn. Außerdem ist das Projekt fertig gestellt, was man weiß Gott nicht von allen, mit EU Geldern finanzierten, Projekten in Griechenland behaupten kann. Etwas mehr Ordnung könnte der bunte Platz allerdings vertragen. Na ja, wir sind in Griechenland und genau deshalb, weil das so ist, sind wir hier.

Etwas nach uns hat die Garfield festgemacht. Benannt nach der lustigen Comicfigur und genau so lustig waren auch die Bootsleute, eine deutsche Frau mit ihrem griechischen Ehemann. Auch sie tingeln durch den Dodekanes. Die Dame des Bootes erzählte uns später, dass sie seit ein paar Jahren überwiegend auf dem Boot leben und dieses Leben in vollen Zügen genießen.
Ihre Lebensfreude schien auch überall willkommen zu sein, denn wir hatten den Eindruck, dass jeder auf der Insel die Beiden kennt und mag. Wir kreuzten später noch ein paar Mal das Kielwasser.

Hafenidylle

Hafenidylle

Am Europaplatz gibt es drei Tavernen deren Namen ich vergessen habe. Die mittlere wird von Nikola bewirtschaftet. Ein sehr extrovertierter und eloquenter, gut Deutsch sprechender Zeitgenosse. Essen und Trinken in seiner Kneipe waren hervorragend.
Die anderen Tavernen haben wir nicht getestet. Das war ein großer Fehler. Direkt gegenüber dem Kai, am Rande des Europaplatzes, steht ein Restaurant. Seltsamerweise gab es dort, obwohl nächst den Booten, keine Gäste. Wahrscheinlich Zufall, doch wenn zwei benachbarte Kneipen, eine voll besetzt, die andere ohne Gäste, wird die eine immer voller und die andere bleibt leer. So auch hier. Alles war bei Nikola versammelt.
Aber die Rache des alleingelassenen Wirts kam später. Ziemlich genau um 24 Uhr. Von da an wurde zurück geschossen. Die Terrassenlautsprecher plärrten mit mindestens 110 db Techno über den Kai. An Schlaf war nicht zu denken.
Wir werden daraus lernen und zukünftig unsere Zuwendung besser verteilen, sodass jeder etwas vom Touristenkuchen ab bekommt.
Ein Spaziergang über die Insel zeigte uns die Schönheit und Einsamkeit dieses Eilandes. Sobald man den Ort verlassen hat, ist das Land menschenleer und die Ruhe ist grenzenlos. Ab und zu ein kleines Gehöft mit einem bellenden Hofhund. Der Weg aus dem Ort, hinauf zur Kapelle, eröffnet herrliche Ausblicke hinüber zu den Nachbarinseln und auf den Hafen.
Nach zwei Tagen verließen wir Arki um zurück nach Lipsi zu segeln. Hier sollte ein neuer Versuch, günstiges Wetter nach Astipalaia zu bekommen, gestartet werden. Außerdem hatte sich Lipsi zu einer unserer Lieblingsinseln gemausert.

 

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