Ein Lebensabschnitt endet, ein neuer beginnt.

Warum in der letzten Zeit so wenig über das Segeln berichtet wird.

Wir sitzen im Cockpit unserer Dream Of Life und reden über Erdogan, Tsipras, Merkel und Gott und die Welt. Diskutieren über Europa, Griechenland, über die Zukunft Europas und die des Universums.

Viele Dinge gefallen uns, viele aber auch nicht.

Die Flut der Flüchtlinge, zum Beispiel, die jeden Tag am Strand von Kos anlanden. Nur mit dem, was sie auf dem Körper tragen. Kinder, deren einziges Rettungsmittel Spielzeug Schwimmärmchen sind und deren Eltern  teilweise , viele auch nicht, billigste Rettungswesten, nein Schwimmhilfen tragen.

Kinder die weinen, weil wildfremde Menschen sie an Land tragen. Erwachsene, die ängstlich aber auch neugierig und aufmerksam das vermeintliche Land der Freiheit begutachten.

Das eine zweite Phase des Flüchtlings Elend, jetzt erst beginnt, fürchten sie vielleicht, aber wie groß dieses Elend sein wird, können sie nicht erahnen.

Viele Bootsleute und auch Touristen helfen so gut sie können. Es bleibt der Tropfen auf den heißen Stein. Diese und noch mehr Ungerechtigkeiten in unserem Leben gefallen uns überhaupt nicht.

Andererseits leben wir in Deutschland in einem Wohlfühlumfeld erster Güte. Wie die Könige vergangener Zeiten. Nein, besser. Die alten Herrscher mussten Angst um ihr Leben haben und wurden bei Bedarf umgebracht. Uns trachtet, glaube ich, keiner nach dem Leben. Was für eine glückliche Zeit. Unsere Eltern erlebten zwei Weltkriege.

Wir reden uns die Köpfe heiß. Das Gespräch muss zwangsläufig in die Zukunft münden. Wieder erscheint zuerst die Weltpolitik, das Wohlergehen der Griechen, und das unmögliche Verhalten Erdogans auf der Agenda. Zögerlich wechselt die Thematik zu unserer persönlichen Zukunft.

Wie soll unsere Lebensplanung bis zum Ende aussehen? Wir werden alle geboren mit einer Rückfahrkarte im Gepäck. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 78 Jahren, bei bereits 73 Jahren Laufzeit, sollte man darüber ernsthaft nachdenken.

Die Frage, wie lange ich denn segeln wolle, beantworte ich stets, so lange es geht. Bei nüchterner Betrachtung ein sehr vermessenes Statement. Vielen meiner Freunde wurde der Unsinn dieser Aussage vor Augen geführt, nachdem sie plötzlich, während des schönsten Seglerlebens, auf die Endlichkeit unseres Hierseins, schmerzlich hingewiesen wurden.

Wir wollen uns das ersparen. Die Zeit des Segelns ist begrenzt. Lieber vorbereitet sein, als im Chaos zu enden.

Die Erfahrung einiger Seglerfreunde hat uns gelehrt, der Verkauf eines Schiffes in der Größe unserer Dream, dauert in der Regel ein bis zwei Jahre. Wir beschließen das Boot einem Makler zum Verkauf anzubieten und die zu erwartende Wartezeit mit vollen Segeln zu genießen. Eine Freundin empfiehlt uns eine Maklerin, mit der ich Kontakt aufnehme und die Daten unseres Schiffes übermittle.

Wir verlassen Kos, freuen uns auf zu Hause und die schöne Zeit, die uns hoffentlich in Österreich erwartet. Für dieses Jahr ist Segeln abgehakt.

In Zell am See, unserem Winterquartier im Salzburger Land, erinnere ich mich an die Verkaufsangelegenheit. Bislang war noch keine Rückmeldung des Maklers erfolgt. Ich frage nach. Klar ist die Information angekommen, unglücklicherweise allerdings im Spam Ordner unter gegangen.

Ab jetzt läuft alles rasend schnell. Für mich zu schnell. Aber wer mit dem Teufel tanzt…

Innerhalb von fünf Tagen wechselt unser Schiff den Eigner.

Der Wechsel zum neuen Besitzer kostet uns viel Herzblut. Zu schlecht ist die Behandlung, die unserer Dream durch den neunen Eigner widerfährt. Aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht, wenn wir die Trennung besser verkraftet haben, werde ich darüber berichten. Noch trauern wir zu sehr.

In diesem Sinne,

Euer Günni.

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