Camping

Camping und Wintercamping, ein Lebensstil.

 

 Wie ich zum Campen kam oder warum es so lange gedauert hat bis es mich erwischte.

Um diese Frage beantworten zu können muss ich euch in die Vergangenheit, in meine Kindheit führen.

Unsere Familie, meine Eltern, mein großer Bruder und ich träumten schon von gemeinsamen Ferien und einem gemeinsamen Urlaub im Zelt. Aber es blieb ein Traum, weil die Nachkriegszeit und die Wirtschaftslage es anders bestimmten.

Mein Vater war Seilbahner und in seiner Funktion als Richtmeister und Spezialist für Langspleiße an voll verschlossenen Seilbahn Drahtseilen, auf allen Kontinenten der Erde, für die Kölner Firma Pohlig unterwegs. Pohlig war zu jener Zeit eines der renommiertesten Unternehmen für die Planung und den Bau von Seilbahnen weltweit. Viele Seilbahnprojekte wurden von Pohlig geplant und verwirklicht.

Abgesehen von Personenbahnen, die heute bekannteste Art der Seilbahn, standen Seilbahnen zur Förderung von Stück- und Schüttgütern mehr im Mittelpunkt. Vor allem im unzugänglichen und ausgesetzten Gebiet sind Seilbahnen oft die einzige Möglichkeit große Mengen von Gütern zu transportieren. Dies gilt insbesondere für Transportgüter, die in unwegsamen Gegenden in Bergwerken oder im Tagebau gefördert werden. Wenn es bedingt durch das Geländeprofil nicht oder nur schwer und mit hohem finanziellem Aufwand möglich ist, Eisenbahnanlagen zu erstellen, sind Seilbahnen der beste Lösungsansatz.

Die oftmals großen Entfernungen der Gewinnungsstätten der Fördergüter zu deren Verarbeitungs- oder Umschlagplätzen machen extreme Längen der Anlagen erforderlich. Bahnlängen von mehr als hundert Kilometern sind möglich. Die Trassen müssen natürlich dem unwegsamen Gelände Rechnung tragen und so sind Bauzeiten von mehreren Jahren üblich.

Anfang der Fünfziger Jahre dauerte solch ein Montageeinsatz für die beteiligten Menschen oft ein Jahr ohne Heimaturlaub. Fliegen war extrem teuer und nur privilegierten Menschen vorbehalten. So musste unsere Restfamilie damit leben, dass sie monatelang ohne Mann und Vater war. Wobei Frauen in der Nachkriegszeit damit Erfahrung hatten und diese Gegebenheit recht gut meisterten.

An gemeinsame Ferien wurde, wenn der Vater dann mal zu Hause war, zu allerletzt gedacht. Es war soviel nachzuholen.

Die Vergangenheit holt mich ein!

Bei der Recherche zu diesem Artikel fiel mir ein Fotoalbum in die Hände. In diesem hatte mein Vater den Bau einer Seilbahn in Argentinien in der Provinz Mendoza, dokumentiert.

Beim Durchblättern der Seiten wurde mir erst jetzt bewusst, unter welchen Umständen die Projekte damals durchgeführt wurden. Als Kind habe ich das so nie realisiert.

Ich erinnere mich. Jede Woche kam ein dicker Luftpostbrief mit großen Briefmarken, die das Konterfei von Evita Peron zeigten. Wir Kinder konnten den Abend kaum erwarten. Am Abend wurde der Brief von unserer Mutsch geöffnet und vorgelesen.Es war so spannend. Die Geschichten die unser Vater zu erzählen hatte waren Abenteuer pur. Wir lauschten andächtig der Vorleserin. Man hätte die berühmte Nadel fallen hören können. Nur manchmal, wenn Mutsch zu stottern begann und seltsame Lesepausen einlegte, protestierten wir laut. Dann waren wieder Stellen in dem Brief, die nicht für unsere Ohren bestimmt waren.

Auf einigen eingestellten Bildern war die Seilbahn aus dem gleichen Blickwinkel fotografiert, den mein Vater vor 65 Jahren auch gewählt hatte. Links das von meinem Vater gemachte Foto, rechts das Bild aus dem Netz von 2011.

Die Bilder der Fotodokumentation animierten mich, die Gegend in der unser Vater damals arbeitete, auf Google earth zu suchen. Nach Eingabe des Namens eines Vulkans den Vater erwähnte, den Vulcan Overo, wurde ich fündig. Auf einigen eingestellten Bildern war die Seilbahn aus dem gleichen Blickwinkel fotografiert, den mein Vater vor 65 Jahren auch gewählt hatte. Allerdings waren die Fotos von Dad die Bilder des Aufbaues und die Aufnahmen im Netz die des Niederganges und Verfalls. Es sieht aus als wäre diese große Seilbahn außer Betrieb und dem Verfall preisgegeben.

Gut, dass mein Vater den Niedergang nicht sehen mußte. Die gesamte Arbeit dem Verfall preisgegeben.

Zurück zum Campen. Nach der dritten Argentinienreise, jede etwa zehn Monate lang, planten wir dann doch einen Urlaub. Mit den Fahrrädern und dem Zelt sollte die Reise zwei Wochen in das bergische Land gehen.

Wir zu Hause Lebenden hatten Räder. Vater besorgte sich auch eines vom Trödler, mit dem hässlichsten Gesundheitslenker den ich je gesehen hatte und natürlich ohne Gangschaltung. Eine Gangschaltung zierte unsere Bikes allerdings auch nicht, aber sie waren neu und hatten brandaktuelle Sportlenker.

Ein Zelt lieh sich der Chef der Familie bei einem Freund. Ein Assado Grill, eigens für diesen Trip aus Argentinien im Fluggepäck eingeführt, sowie Sonstiges, war in den Satteltaschen verpackt und stand bereit für den großen Show down.

Wetterberichte gab es zu jener Zeit auch. Ohne Satellitenunterstützung und Computermodelle waren sie sehr, na sagen wir, variabel. Sie stimmten immer dann wenn schlechtes Wetter vorhergesagt wurde. Schönwetterprognosen trafen nie ein. Die sicherste Wetteranalyse war, schau aus dem Fenster und du weißt wie das Wetter ist.

Dieser Wetterbeobachtung folgend wussten wir am Tage der geplanten Abfahrt genau wie das Wetter ist. Es regnete in Strömen, nein es goss aus Eimern. Selbst wir Kinder mussten uns damit abfinden. An einen Start war nicht zu denken. Na gut, dann starten wir morgen, morgen, morgen. Zwei Wochen lang starteten wir morgen. Die Gesichter wurden immer länger, die zur Verfügung stehenden Ferientage immer weniger. Am letzten Urlaubstag schien die Sonne. Irgendwie hatte Petrus unsere kleine Gruppe übersehen. Soweit meine Kindheitserfahrung in Sachen Ferien und Zelten.

Allerdings muss ich anmerken, dass nach Beendigung der Mammutprojekte, wir mit der Familie noch viel Zeit gemeinsam verbrachten. Manchmal, wenn es in die Jahreszeit und den Ferienplan passte, besuchten wir Vater einfach auf den Baustellen, die mittlerweile mehrheitlich in Europa waren. Oder wir fuhren, wie andere Leute auch, einfach in Ferien.

Trotzdem, aus dieser Zeit kann ich nicht die Begeisterung für das Campen gewonnen haben.

Zelten und Segeln.

Anfang der sechziger Jahre infizierte sich meine Clique und ich mit dem Segel Bazillus. Jollen Segeln auf holländischen Binnenrevieren, wie De Kaag oder Roermond, nahm unsere gesamte Freizeit und unsere spärlichen Finanzen in Anspruch. Jedes freie Wochenende, sofern es unsere Barschaft zuließ, waren wir mit unseren Mopeds oder den Blechschüsseln der Älteren, in Holland zum Segeln unterwegs. Genächtigt wurde auf den Segelbooten. BM Jollen, die wir gemeinsam für zwei Tage mieteten. Der vornehme Ausdruck chartern war uns noch nicht geläufig.

Das Zelten war schon recht spartanisch und die BM Jolle als Schlafplatz auch.

Unter der Persenning zu viert in dem kleinen Boot war selbst uns Hartgesottenen nach einiger Zeit zu unbequem. Einige von uns hatten kleine Zelte für zwei, maximal bei Hochkantlage, drei Personen. Wir schliefen nicht mehr auf den Booten sondern versuchten es mit den Zeltchen. Ein Riesenfortschritt war das nicht. Aber immerhin. Die Ausrüstung war natürlich karg und unserer knappen Kasse angemessen. So fehlte meinem Zelt ein Überdach. Bei der damaligen Qualität der zur Verfügung stehenden Zeltstoffe ein no go. Die geringste Berührung der Zeltwände bei Regen ließ diesen fröhlich ins Innere einsickern. Ein Überzelt musste her. Großmutter wusste Rat. Aus zwei Bettlaken nähte sie ein tolles Überdach. Die Durchgänge für die Zeltstangen und die Befestigungslöcher für die Erdnägel waren in feinster Handarbeit, als Knopflöcher ausgebildet und auch sonst waren pfiffige Details der hausfraulichen Handarbeitskunst eingeflossen. Das Ganze sah recht gut aus, wir konnten beruhigt dem nächsten Regen entgegen sehen.

Der erste heftige Regen und ein zartes Lüftchen von max. 5 Windstärken ließ Omis schönes Überzelt jedoch abheben und in tausend Fetzen dahin gehen. Das fehlende Schutzdach öffnete alle Schleusen in das Innere, Wasser floss in Strömen die Zeltwände herunter und versickerte genüsslich in unseren Schlafsäcken, Klamotten und was sonst noch gerne trocken geblieben wäre.

Wäre nicht der liebenswerte Snakbarbesitzer gewesen, der uns Asyl auf seinem Dachboden gewährte, wir wären kläglich ersoffen.

Aus dieser Zeit kann ich meine Begeisterung für das Campen also auch nicht schöpfen.

Wie wir doch noch unsere Leidenschaft für das Campen und Wintercamping entdeckten?

Im nächsten Bericht gehts weiter.

In diesem Sinne,

Euer Günni.

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